Der Übergang von der Transall zum A400M

Mit der Einführung des Transportflugzeuges A400M ab November dieses Jahres wird die Luftwaffe gleichzeitig den Wachwechsel vom bisherigen Arbeitspferd im Lufttransport, der C-160 Transall, einleiten. Im Zeitfenster von 2014 bis 2019 werden insgesamt 40 Luftfahrzeuge (Lfz) A400M eingeführt und gleichzeitig der Betrieb der ‚alten Dame‘ Transall eingestellt. Zudem wird der Lufttransport künftig auf das Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf konzentriert. 1968 erhielt die Luftwaffe das erste von 90 Luftfahrzeugen vom Typ C-160. Nun wird die Transall nach einer Nutzungszeit von rund 50 Jahren und ca. 1.200.000 Flugstunden in den wohlverdienten ‚Ruhestand‘ gehen. Anfang 1959 wurde die deutsch-französische Arbeitsgemeinschaft Transall (Transporter Allianz) gegründet, die das taktische Transportflugzeug C-160 in den Versionen „F“ Frankreich und „D“ Deutschland konstruierte und fertigte. Dabei wurden analog wie auch heute beim A400M die Bauteile auf die beteiligten Firmen verteilt. Der Erstflug fand am 25. Februar 1963 statt und ab 1967 kam es zur Auslieferung an die Nutzerstaaten Frankreich, Deutschland, Südafrika und die Türkei.

 

Die funktionale Auslegung der Transall als Kampfzonentransporter orientierte sich am damaligen mitteleuropäischen Szenario des Kalten Krieges, bei der eine Zuladung von ca. 15 to über eine Entfernung von 1.500 km transportiert werden sollte. Die Kernabsicht war die Versorgung der Truppe aus dem rückwärtigen Raum zu den nahe der vorderen Kampfzone gelegenen Behelfsflugplätzen. Die Konstrukteure der Transall konnten damals nicht ahnen, dass sie ein Flugzeug gebaut hatten, das sich zum 50. Jahrestag seines Erstflugs immer noch im weltweiten Einsatz befindet. Die globalpolitischen Veränderungen Anfang der 1990’er Jahre wirkten sich auch auf den Lufttransport aus. So begründete die Transall ab 1992 ihren besonderen Ruf bei der Luftbrücke nach Sarajevo, die sich im weiteren Verlauf als größte und längste Luftbrücke herausstellte und die sogenannte „Sarajevo-Landung“ hervorbrachte. Je nach Szenario treten unterschiedlichste Bedrohungslagen auf, wie die Erfahrung auf dem Balkan oder in Afghanistan gezeigt hat. Hieraus entstand die für den militärischen Lufttransport erforderliche Überlebensfähigkeit durch eine adäquate Selbstschutzausstattung wie bei der C-160 ESS. Die C-160 wird dabei durch die Einrüstung von Kevlarplatten als ballistischer Schutz im Bereich des Cockpits sowie den Einbau eines komplexen elektronischen Schutzsystems gegen hitzesuchende und radargelenkte Raketen ausgerüstet. Einsätze im Rahmen von KFOR, ISAF oder aktuell MINUSMA in Mali gehören heute zum Alltag der Besatzungen und Techniker. Und immer gilt: „First In – Last out“.

 

Das Nachfolgemodell Airbus A400M wird nun schrittweise beginnend in diesem Jahr an die Luftwaffe übergeben. Die vorhandenen Einsatzverpflichtungen werden noch bis Ende 2018 durch den gleichzeitig stattfindenden Abbau der Transall sichergestellt. Der A400M ist ein Militärtransporter der neuesten Generation, der technologisch auf dem Stand des A380 ist. Das Luftfahrzeug kann große Lasten von bis zu 37 to über lange Strecken transportieren und dabei auch auf kurzen, unbefestigten Pisten landen. Die Möglichkeit den A400M in der Luft zu betanken, erhöht dessen Reichweite. Durch eine Umrüstung kann der A400M auch selbst als Tankflugzeug genutzt werden. Darüber hinaus wird der A400M in Deutschland wiederum als MedEvac-Lfz eingesetzt, um Schwerstverwundete auch über große Distanzen zu verlegen. Der A400M wird den Besatzungen ein modernes Glascockpit mit Airbus-Philosophie sowie die Steuerung mittels Sidestick und Fly by Wire System bieten. Kurzum: Der A400M ist wesentlich leistungsfähiger als die Transall. Für den A400M mit der Serialnummer MSN 018 wurden Ende Januar 2014 die wichtigsten Komponenten nach Sevilla (Spanien) gebracht. Das Flugzeug, das sich dort nun in der Endmontage befindet, wird der erste A400M für die Luftwaffe sein. Die Luftwaffe steht vor der Herausforderung den Flugbetrieb mit A400M an moderne Standards gem. den European Military Airworthiness Requirement (EMAR) aufzubauen, die darüber hinaus auch bei weiteren europäischen Partnern angewendet werden. Dies wird eine höhere Interoperabilität der europäischen Luftwaffen im Betrieb des A400M ermöglichen. Darüber hinaus kann mit den Verfahren eine wirtschaftlichere Nutzungsphase erreicht werden, wodurch wiederum die nationalen Haushalte entlastet werden.

 

Autor: Kommando Luftwaffe, Referat 4 II c Betriebsverantwortung / Materialerhaltung

X
X