Mit dem Schwert zur Galvaniseurmeisterin

Galvanisieren ist für viele ein Fremdwort. Nur wenige wissen, was sich dahinter verbirgt. Oberfeldwebel Tanja Matthias ist Galvanikfeldwebel beim Instandsetzungszentrum 12 in Ummendorf und hat vor kurzem ihre Meisterprüfung als Galvaniseurin abgelegt.

Tanja Matthias ist 23 Jahre alt und wohnt im Landkreis Biberach. Sie arbeitet als Galvanikfeldwebel beim Instandsetzungszentrum 12 in Ummendorf. Dort begann sie 2009, damals noch als Zivilistin, ihre Ausbildung zur Oberflächenbeschichterin.

Oberfeldwebel Tanja Matthias zeigt ihr Meisterstück: ihr bearbeitetes Schwert. (Quelle: Luftwaffe/Peter Jentscher )

„Schon während meiner Schulzeit habe ich mich für Chemie und Technik interessiert. Ich wollte einen Beruf erlernen, der vielseitig ist und eine verantwortungsbewusste Herangehensweise erfordert. Mein Ziel war es immer, einen Beruf auszuüben, indem ich mich immer weiterbilden und selbstverwirklichen kann.“ Deshalb stand für Oberfeldwebel Matthias nach einem Schnupperkursausflug mit der Industrie- und Handelskammer schnell fest, dass für sie eine Ausbildung bei der Galvanik in Ummendorf genau das Richtige sei. „Hier kann man aus alten, verrosteten Teilen wieder etwas Schönes, fast neues machen“, schwärmt sie noch heute von ihren ersten Eindrücken.

Wunschberuf bei der Luftwaffe

Sie bewarb sich mit ihrem Hauptschulabschluss und konnte ihre Wunschausbildung beginnen. Bereits nach kurzer Zeit war der Plan geboren, an die dreijährige Ausbildung eine militärische Laufbahn als Soldatin auf Zeit für zwölf Jahre anzuschließen. So konnte sie sich in ihrem Wunschberuf, auch im Anschluss an die Ausbildung zur Galvanisierungsmeisterin, verwirklichen.

Das Meisterstück. (Quelle: Luftwaffe/Peter Jentscher )

Mittels Schwert zum Meisterbrief

Als Meisterstück wollte sie ursprünglich eine Statue bearbeiten und galvanisieren. Da diese jedoch zu klein war, musste eine neue Idee her: „Ein Kumpel von meinem Vater sammelt alte Gegenstände und schlug mir vor, doch ein altes, verrostetes Schwert aus seiner Sammlung wieder aufzuarbeiten.“ Der Zustand des Schwertes machte dies aber zu einer herausfordernden Aufgabe. Aber genau das, „etwas Anspruchsvolles zu bearbeiten, das sonst keiner hat“, reizte sie letztendlich. Nach dreitägigem Schleifen, Bürsten und Polieren wurde das Schwert mit vier verschiedenen Metallen beschichtet: Gold, Zinn, Kupfer und Nickel. Alle Schichten sind extrem dünn. Pro Durchgang waren Beschichtungszeiten von 28 bis 35 Stunden notwendig. Es dauerte fast drei Wochen, bis das Schwert fertig war. Im Oktober konnte Oberfeldwebel Matthias dann nicht nur stolz ihr Schwert, sondern auch ihren Meisterbrief in den Händen halten.

„Ihre“ Beschichtungsstraße für Hartchrom und Chemisch-Nickel. (Quelle: Luftwaffe/Peter Jentscher )

Vom Lehrling zum Meister

Aktuell ist sie Anlagenführerin in der Beschichtungsstraße in Ummendorf im Bereich „Hartchrom“ und „chemisch Nickel“. Als frisch gebackene Galvanisierungsmeisterin bildet sie nun selbst zwei Lehrlinge aus. Es macht ihr eine große Freude, ihr Fachwissen an die jungen Menschen weiterzugeben. Zukünftig möchte Oberfeldwebel Matthias bei der Luftwaffe bleiben und Berufssoldatin werden. 

Galvanisieren bei der Luftwaffe

Mittels 17 unterschiedlicher chemischer und elektrochemischer Arbeitsverfahren werden in Ummendorf die zu bearbeitenden Bauteile beschichtet und somit wieder in einen verwendungsfähigen Zustand versetzt. Mit den Beschichtungen werden Korrosionsschutz, Verschleißschutz oder die Verbesserung der Leitfähigkeit erzielt.

Autor: Peter Jentscher, Stephan Prietzel/Luftwaffe

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