Kabinendach schließen – ready for take off to ILA

Was wäre die ILA ohne die Luftwaffe? Die Luftfahrzeugtechniker aus Kaufbeuren bauen derzeit für die ILA etwas auf, was für Luftfahrtfans der Geheimtipp ist: ein originales Kampfflugzeug, das zum Probesitzen im Cockpit einlädt. Das funktioniert fast so wie beim Lego-Bausatz – nur dass das Zusammenbauen zwei Tage dauert und die Teile insgesamt so schwer sind wie acht Autos.

Der Tornado wird als Bausatz über zwei Tage auf dem ILA-Gelände aufgebaut. Genauste Präzision ist bei den schweren Bauteilen unabdingbar. (Quelle: Luftwaffe/Sönke Dwenger)

Den titanlegierten, 15 Kilo schweren Bolzen in den Schwenkflügel des Tornados einzupassen, ist der Arbeitsschritt, der die Konzentration des gesamten Aufbauteams fordert. Bei einem flugfähigen Tornado würde der Bolzen nur in gekühltem Zustand in die Aussparung passen. Hauptfeldwebel Stephan Wagner führt als Luftfahrzeugtechniker die acht Mann starke Gruppe, die am Tag zuvor aus dem 700 Kilometer entfernten Technischen Ausbildungszentrum Süd der Luftwaffe in Kaufbeuren nach Berlin gekommen ist. Als Bodendienstgerätesteuerkopf ist er derjenige, der sein Team mit den unterschiedlichen Ausbildungen anleitet. „Mit diesem ‚Mock Up‘ genannten Ausstellungsstück verlegen wir drei- bis viermal im Jahr zu verschiedenen Ausstellungen wie den Tag der Bundesministerien, den Hessentag oder den Tag der Bundeswehr“, berichtet Wagner. Er hat sich, wie alle Soldaten, für diesen Auftrag in der Bundeshauptstadt natürlich freiwillig gemeldet.

Die Bauteile werden auf das ILA-Gelände transportiert und dort zusammengesetzt. (Quelle: Luftwaffe/Sönke Dwenger)

Bundeswehr ist größter Aussteller

Heute also die ILA, die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung, Deutschlands bedeutendste Messe der Luft- und Raumfahrtindustrie. Die findet vom 25. April bis zum 29. April auf dem Flughafen in Berlin-Schönefeld statt. Über 1.000 Aussteller aus 37 Nationen, deren größter wie schon in den Vorjahren die Bundeswehr ist, präsentieren sich mit unterschiedlichen Luftfahrzeugen und Exponaten – vom Schnittmodell des Eurofighter-Triebwerks bis zu Teilen der Ariane-Rakete. Während die ersten Tage für Fachbesucher und deren Vorträge und Diskussionsforen reserviert sind, kommen Flugzeugfans am Samstag und Sonntag voll auf Ihre Kosten.

Der Eurofighter im Design des Tiger Meets 2018 wird für Hingucker sorgen (Quelle: Bundeswehr/Tim Becker)

Große Luftparade am ersten Publikumstag

17 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Transportflugzeuge sind innerhalb weniger Minuten am Freitag, dem ersten öffentlichen Besuchertag der ILA, am Himmel über dem Schönefelder Flughafen zu sehen. Bei der sogenannten Luftparade sind die meisten Flugzeugmuster in der Luft, die derzeit die Bundeswehr einsetzt. Eurofighter, Transall, A 400 M und natürlich die Hubschrauber fliegen in kurzen Abständen in Formation über das Ausstellungsgelände.

Der Hubschrauber NH-90 bei der Vorführung „Waldbrandbekämpfung“ (Quelle: Luftwaffe/Sönke Dwenger)

Knapp eine halbe Stunde dauert die militärische Evakuierungsoperation, bei der Soldaten mit Hilfe von sechs Hubschraubern und einem Transportflugzeug Menschen aus einer kritischen Situation befreien. Dass die Bundeswehr auch bei der zivilen Nothilfe unterstützt, zeigt die Vorführung „Waldbrandbekämpfung“ mit vier Hubschraubern.

Luftparaden wie z.B. Luftbetankung wird es auf der ILA auch zu sehen geben. (Quelle: Luftwaffe/Kristin Schönbeck)

Die ILA ist aber nicht nur Luftfahrtausstellung, sondern auch Jobmesse, gerade für jüngere Leute. Die können sich über ein enormes Spektrum an Ausbildungsberufen informieren.

Für Foto-Fans gibt es neben den spektakulären Flugmanövern noch ein Premieren-Motiv: Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 im bayerischen Neuburg zeigt erstmals die soeben fertiggestellte Eurofighter-Sonderlackierung „Ghost-Tiger“, mit der sich die Neuburger wenige Wochen später beim NATO Tiger Meet in Polen präsentieren.

Lange Schlangen sind nicht zu vermeiden

Die Kaufbeurer heben inzwischen das Seitenleitwerk vom LKW, das die Logistiker aus Beelitz quer durch die Republik transportiert haben. Und wenn am Ende des zweitägigen Aufbaus alles fertig ist, kommt das wichtigste Teil, das mit dem Kampfjet nichts zu tun hat: die Leiter mit der kleinen Plattform, die an das Pilotencockpit geschoben wird. Damit können die Besucher in das Cockpit klettern und sich wie ein richtiger Pilot fühlen. „Die Chance, in einem richtigen Kampfjet-Cockpit zu sitzen, ist auf der ILA bei uns einmalig“, sagt Hauptmann Jens Hartmeyer. Oft stünden die Leute schon an, bevor die Crew zur Maschine kommt. Es empfiehlt sich, früh da zu sein, die ILA-Tore öffnen um 10 Uhr.

Lange Schlangen, wie hier beim Tag der Bundeswehr 2017 in Penzing, sind zu erwarten. (Quelle: Luftwaffe/Richard Strauß)

Autor: Max-Joseph Kronenbitter

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