Das erste Etappenziel ist erreicht

Am 15. Dezember 2016 wurden die Soldaten der US-Army und der deutschen Luftwaffe mit einer eindrucksvollen Zeremonie verabschiedet.
Fort Sill, 15. Dezember 2016. Mit den Worten „Wir gehen mit den berühmten weinenden und lachenden Augen auseinander“, brachte es Leutnant Insa S. auf den Punkt. „Ich habe hier neue Freunde gefunden, die ich ungern verlasse, aber ich bin auch froh, den Lehrgang erfolgreich absolviert zu haben, um den nächsten Abschnitt in meiner Ausbildung zu beginnen.“, sagte sie. Die junge Offizierin ist eine von sieben deutschen Luftwaffensoldaten, die in den vergangenen Monaten den ersten gemeinsamen Lehrgang deutscher und US-amerikanischer Flugabwehrsoldaten in Fort Sill, Oklahoma abgeschlossen haben.

 

Obwohl oder auch gerade weil sich die Offiziersausbildung der US-Army von der Ausbildung deutscher Luftwaffenoffiziere gravierend unterscheidet, kann sich dieser Musterlehrgang, der nun abgeschlossen ist, zu einer weiteren Erfolgsgeschichte in der Kooperation beider Staaten auf dem Gebiet der Flugabwehr entwickeln. Die Anwesenheit vom Kommandeur Bodengebundene Verbände im Luftwaffentruppenkommando, Brigadegeneral Michael Gschoßmann bei der „Graduation-Ceremony“ in Fort Sill, Oklahoma, unterstrich die Wertigkeit dieser gemeinsamen Ausbildung. Zahlreiche Gäste fanden sich in der Snow Hall der Air Defense Artillery School ein, um die jungen Offiziere bei diesem für sie wichtigen Abschluss ihrer Ausbildung zu begleiten.

Quelle: Peter Breuer/Luftwaffe

 

Zu Beginn der Zeremonie sprach der Militärpfarrer ein Gebet. Nachdem die deutsche und amerikanische Nationalhymne abgespielt wurden, sprach der erste Gastredner zu den Absolventen des Lehrgangs „Basic Officer Leader Course 03-16“. Der Director of the Office of the Chief of Air Defense (OCADA), Lieutenant Colonel (LTC) Reynaldo F. Soliz, hob in seiner Ansprache die zukünftigen Herausforderungen der Lehrgangsabsolventen hervor. „Sie haben hier Ihr Handwerkszeug bekommen, dass Sie nun richtig einsetzen müssen“, sagte er. Für LTC Soliz war es eine besondere Freude, auch die deutschen Offiziere zum erfolgreichen Abschluss auszuzeichnen und zu beglückwünschen. Brigadegeneral Gschoßmann hob in seiner Rede die in den letzten Jahrzehnten gewachsene Tradition der Zusammenarbeit der „Air Defender“ beider Nationen hervor. Er wünschte allen Absolventen viel Glück für die zukünftigen Aufgaben.

 

Besondere Leistungen, besondere Auszeichnungen

Traditionell bildete das Singen des „ADA Marsch“ und des „Army Song“ den Abschluss der Zeremonie. Doch für die deutschen Luftwaffenoffiziere gab es noch eine weitere Veranstaltung. Die Verleihung des Abzeichens der US Army für ausländische Lehrgangsteilnehmer, überreicht durch den Chief der International Student Division (ISD), Charles R. Johnson.

 

Quelle: Peter Breuer/Luftwaffe

Pizza zum Abschied

Die ISD ist eine Anlaufstelle für alle ausländischen Lehrgangsteilnehmer, die Lehrgangsteilnehmer in vielen Angelegenheiten unterstützt. Sie helfen beispielsweise beim Inprocessing und bei persönlichen Angelegenheiten. Auch Informationen über das Gastland USA sind beim ISD erhältlich.  Bei der Verleihung des Wappens waren auch die amerikanischen Ausbilder der angehenden Feuerleitoffiziere anwesend. Auch Brigadegeneral Michael Gschoßmann und Oberst Ingo Kresser, Kommandeur des Taktischen Aus- und Weiterbildungszentrum FlaRakLw waren geladen. General Gschoßmann dankte dem ISD für die Unterstützung und Hilfestellung, die den deutschen Lehrgangsteilnehmern zur Verfügung gestellt wird. Im Anschluss an die Verleihung der Abzeichen an die sieben Lehrgangsteilnehmer, bedankte sich auch die deutschen Offiziere beim ISD und überreichte Herrn Johnson eine kleine Auswahl an deutschen Leckereien. Aber auch die Ausbilder der US-Army wurden nicht vergessen und erhielten zur Erinnerung ein Lehrgangsfoto. „Wir werden Sie nicht so schnell vergessen und denken gerne an Sie zurück“, sagte Captain Jessica Perales.

 

Quelle: Peter Breuer/Luftwaffe

Den endgültigen offiziellen Abschluss des Lehrgangs „Basic Officer Leader Course 03-16“ bildete ein gemeinsames Pizza-Essen.

„Wir haben hier die Basis geschaffen für die Ausbildung, die noch folgen wird.“ sagte Leutnant Robert S. Auf die Frage, ob die Erwartungen, die die Lehrgangsteilnehmer hatten, erfüllt wurden, antwortete er: „Keiner in Deutschland konnte uns auf den Lehrgang vorbereiten. Dies war der erste Lehrgang dieser Art.“. „Wir wussten nicht, was uns erwartet.“ Leutnant Florian W. ergänzte: „Der Lehrgang ist gut und sinnvoll. Hier haben wir in Theorie und Praxis das Waffensystem PATRIOT kennengelernt. Es ist ein amerikanisches System, so macht es auch Sinn, dieses von der US-Army zu erlernen.“ „Es gibt aber Besonderheiten am deutschen PATRIOT-System, auch in der Arbeitsweise mit dem System. Das werden wir nun am TAWZ in Fort Bliss erlernen.“, so Leutnant W. weiter. Bevor sich die Lehrgangsteilnehmer auf den Weg nach El Paso begaben, war es noch ein besonderes Anliegen von General Gschoßmann, sich in einem längeren Gespräch mit den jungen Offizieren über ihre Erfahrungen und Eindrücke während der Ausbildung in Fort Sill zu informieren.

 

Quelle: Peter Breuer/Luftwaffe

Kaum Zeit zum Durchschnaufen

Für die deutschen Lehrgangsteilnehmer bleibt bei aller Freude und Erleichterung über den erfolgreichen Abschluss an der US-Army Air Defense Artillery School in Fort Sill nicht viel Zeit zum Verschnaufen. Denn nun folgt der zweite, nicht weniger wichtige Teil der Ausbildung zum PATRIOT Feuerleitoffizier. Noch am Freitag, den 16. Dezember 2016 machten sich die jungen Offiziere auf den Weg zum 630 Meilen entfernten El Paso, um dort, beim Taktischen Aus- und Weiterbildungszentrum FlaRakLw das in Fort Sill erlernte Basiswissen anzuwenden und darauf aufbauend die Ausbildung zum Feuerleitoffizier abzuschließen. Das bedeutet weitere Monate Schulbank drücken, praktische Ausbildung und Prüfungen im Simulator in Fort Bliss und am Waffensystem in der texanischen Wüste. Nach der Ankunft in El Paso und dem Inprocessing werden die Lehrgangsteilnehmer ein paar Tage zum Verschnaufen bekommen, bevor sie im neuen Jahr als Lehrgang „PATRIOT Fire Coordination Officer“ am TAWZ erneut lernen müssen.

 

Quelle: Peter Breuer/Luftwaffe

Weitermachen erwünscht

Die Eindrücke der deutschen Ausbilder und Lehrgangsteilnehmer, die fester Bestandteil des amerikanischen Lehrgangs waren, zeigen, dass die Kooperation, die in den letzten 60 Jahren eine feste Größe in der Flugabwehr beider Nationen war, durchaus noch Spielraum für weitere Kooperationen hatte. Die Integration von deutschen Lehrgangsteilnehmern und zugleich auch Ausbildern gewährleistet einen schnellen und unkomplizierten Informationsaustausch beider Ausbildungssysteme. Der Lerneffekt für alle ist unbestritten und kann für die Zukunft viele Vorteile bringen. Das der Lehrgang auch bei der US-Army eine besondere Wertschätzung genießt, zeigt sich dadurch, dass auch Westpoint-Absolventen unter den Lehrgangsteilnehmern sind. Alle Beteiligten wünschen sich eine Fortführung dieser Kooperation.

 

Text und Bilder: OStFw Peter Breuer

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