„Geopolitik ist wieder nach Europa zurückgekehrt“

Die Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe e.V. lud ihre Mitglieder zur jährlichen Mitgliederversammlung ins Steigenberger Hotel am Kanzleramt ein. Im Anschluss erklärte Staatsminister Dr. Tobias Lindner die Bedeutung der europäischen Präsenz im indopazifischen Raum. Eine perfekte Vorlage für den Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, um das Highlight in 2022 – Rapid Pacific – vorzustellen.

Generalleutnant a.D. Klaus Habersetzer eröffnet seine erste Mitgliederversammlung als Präsident de IDLw e.V. (Foto: Luftwaffe/Jane Schmidt)

Es war seine erste Mitgliederversammlung als Präsident der IDLw. Generalleutnant a.D. Klaus Habersetzer begrüßte die Mitglieder mit Worten an seinen Vorgänger. Generalleutnant a.D. Arne Kreuzinger Jannik war sieben Jahre lang Oberhaupt des gemeinnützigen Vereins. „Ich möchte mich bei Herrn Kreuzinger Jannik, bei Dir lieber Arne, für die Übergabe der Geschäfte bedanken. Ich hätte es mir nicht besser wünschen können“, sagte Habersetzer aufrichtig dankbar.

Nach einer Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen Stabsfeldwebel a.D. Günther Neumann startete die Mitgliederversammlung mit den üblichen Programmpunkten. Der Vorstand und die Geschäftsführung wurden einstimmig entlastet. Erwähnenswert ist, dass Oberst a.D. Manfred Jäger nach seiner Pensionierung nun hauptamtlich die Geschäftsführung übernommen hat.

Guido Brendler wurde nach dem Rücktritt von Peter Heilmeier einstimmig ins Präsidium gewählt. Außerdem wurden alle Rechnungsführer bestätigt. Oberst a.D. Fritz Thomsen gibt den Posten des Repräsentanten der IDLw für die EPAA nach jahrelanger Arbeit mit viel Herzblut zum Jahresende ab und hofft auf einen baldigen Nachfolger.

Präsident Habersetzer erklärte außerdem, dass zukünftig die Berliner Plattform vordergründig in Berlin Mitte abgehalten werden würde, um durch die geringe Entfernung zum Regierungsviertel mehr politische Gäste und Experten zu gewinnen.

Auch die jährliche Tour d’Horizon vom Inspekteur der Luftwaffe soll zukünftig durch Berichte über aktuelle, sicherheitspolitische Themen ersetzt werden.

Dr. Tobias Lindner attestiert Rapid Pacific höchste Bedeutung

Staatsminister im Auswärtigen Amt, Dr. Tobias Lindner, unterstreicht die Bedeutung von Rapid Pacific. (Luftwaffe/Jane Schmidt)

Nach einer Pause für Gespräche und Getränke füllte sich der Konferenzsaal des Steigenbergers erneut. Präsident Habersetzer leitete die folgenden Fachvorträge mit einer kontroversen Fragestellung ein. „Ist es das richtige Zeichen, in Zeiten eines Angriffskrieges vor den Toren der Europäischen Union, mit der Luftwaffe nach Asien zu verlegen oder ist es gerade jetzt sogar notwendig?“. Damit spielt der Generalleutnant a.D. auf das Großvorhaben der Luftwaffe im Spätsommer an.

Erster Redner war Dr. Tobias Lindner. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt scherzte zu Beginn über sein „loses Mundwerk“, was den Zuschauer nicht nur amüsierte, sondern auch gespannt auf seine Worte werden ließ. Er griff gleich die einleitenden Worte von Klaus Habersetzer auf und machte gleich zu Beginn den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zum Thema.

„Geopolitik ist wieder nach Europa zurückgekehrt“, sagte Lindner und untermauerte unmissverständlich, welche Auswirkungen die russischen Aggressionen auch für die Europäische Union haben. „Wir müssen leider anerkennen, dass Russland eine unmittelbare Bedrohung für unsere Freiheit darstellt.“

Die Situation in der Ukraine habe sich aber nicht nur auf Europa ausgewirkt, sondern im Grunde auf die ganze Welt. Besonders stehe der indopazifische Raum im Fokus. China schaue sich laut Staatsminister Lindner ganz genau an, wie sich der Westen gerade verhalte. Partnernationen in der Region wie Japan, Südkorea oder Australien, deren Botschafter anwesend waren, stünden an der Seite Europas und des Westens. Deutschland habe ein enorm großes Interesse, sein Engagement in der Region zu verstärken. Dazu gehörten natürlich neben wirtschaftlichen Partnerschaften auch militärische Kooperationen.

In 24 Stunden in Singapur

Die Fregatte „Bayern“ machte vergangenes Jahr den Anfang. Die Luftwaffe plant in diesem Jahr eine nie dagewesene Verlegung. Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe, stellte diese in seiner Präsentation vor – „Rapid Pacific 2022“. Innerhalb von 24 Stunden soll ein Verbund aus sechs Eurofightern, vier A400M und drei A330 MRTT Tankflugzeugen Singapur und damit den Indopazifik erreichen. Im Anschluss geht es nach Australien, um dort an gleich zwei Kommandos teilzunehmen. Erst wird die Luftwaffe an „Pitch Black“ teilnehmen und direkt im Anschluss an der Seekriegsübung „KAKADU“ mit der australischen Marine.

Generalleutnant Ingo Gerhartz stellt den Anwesenden „Rapid Pacific 22“ vor. (Luftwaffe/Jane Schmidt)

Gerhartz erklärte, dass eine Verlegung niemals so verlaufe, wie sie geplant wurde. Es sei gar nicht so wichtig, dass wirklich alle Maschinen innerhalb der selbstgesetzten Zeitmarke von 24 Stunden in Singapur ankämen. Viel wichtiger sei ihm, wie seine Luftwaffe auf Situationen reagiere, die nicht im Drehbuch stünden. „Dass eine Maschine eine Verlegung mal abbrechen muss, kann immer passieren. Die darf dann aber da nicht zwei Wochen stehen. Die muss schnell wieder zu den anderen dazustoßen“, erklärte er und fügte an: „Natürlich müssen wir irgendwo bei Nacht rein- und wieder rausfliegen. Und natürlich müssen wir Crews vorshutteln, um auszutauschen. Aber das muss eine einsatzbereite Luftwaffe auch können.“

Gerhartz betonte immer wieder, dass eine Luftwaffe in der heutigen Zeit ambitioniert sein müsse. Mit Rapid Pacific legt er die Messlatte extrem hoch. Weil er weiß, dass seine Luftwaffe das kann.
Präsident Klaus Habersetzer dankte Staatsminister Dr. Tobias Lindner und Generalleutnant Ingo Gerhartz für ihre spannenden Vorträge und ihre Standpunkte zum Engagement im Indopazifik. Aber auch über die Anwesenheit der Botschafter aus Australien, Japan, Singapur und Südkorea zeigte er sich zutiefst geehrt. Und dann machte er das, worauf alle warteten – er eröffnete das wie immer hervorragende Buffet.

Autor: Stephan Jeglinski

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