Zeichen gegen Extremismus und Fabelwerte für Eurofighter

Die Corona-Pandemie hält seit fast zwei Jahren das Leben überall auf der Welt fest im Griff. Lockdowns, Abstandsregeln und Maskenpflicht gehören mittlerweile zum Alltag. Kulturelle Veranstaltungen aber auch soziale Kontakte sind bis heute noch eingeschränkt. Die Interessensgemeinschaft Deutsche Luftwaffe e.V. konnte nun jedoch erstmals nach langer Zeit ihre Jahresmitgliederveranstaltung in Präsenz abhalten.

Unter strengen 3-G-Auflagen konnte erstmalig seit Beginn der Pandemie wieder eine Präsenzveranstaltung durchgeführt werden.
Unter strengen 3-G-Auflagen konnte erstmalig seit Beginn der Pandemie wieder eine Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. (Foto: Luftwaffe/Jane Schmidt)

Über zwei Jahre ist es her, dass die Mitglieder der Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe e.V. (IDLw) das letzte Mal zusammenkamen. Unter strenger Einhaltung der häufig angewandten 3-G-Methode (geimpft, genesen oder getestet) ist nun wieder Licht am Ende des Tunnels. So konnte jetzt endlich wieder die Jahresmitgliederversammlung mit persönlicher Anwesenheit abgehalten werden. Zu besprechen gab es einiges. Dafür haben sich knapp 90 stimmberechtigte Mitgliederinnen und Mitglieder im Steigenberger Hotel am Kanzleramt in Berlin eingefunden.

 

Präsident und Generalleutnant a.D. Aarne Kreuzinger-Janik begrüßt die zahlreich erschienenen Mitglieder (Foto: Luftwaffe/Jane Schmidt)

Schweigeminute für Oberst a.D. Rüdiger Knappe

Präsident und Generalleutnant d.D. Aarne Kreuzinger-Janik eröffnete die Jahresmitgliederversammlung. „Es ist prima, dass Sie mit so großer Präsenz hier ins Steigenberger Hotel gekommen sind. Das zeigt, dass Sie unser Handeln aufmerksam verfolgen“, begrüßte Kreuzinger-Janik alle Anwesenden.

Nach der Begrüßung wurde der Präsident ernst. „Bitte erheben Sie sich und lassen Sie uns gemeinsam mit Gedanken an unseren ehemaligen Geschäftsführer kurz innehalten. Sein Ideenreichtum, sein Engagement und sein Vorbild waren das, was unsere IDLw heute ausmachen“, leitete der ehemalige Inspekteur der Luftwaffe die Gedenkminute ein. Oberst a.D. Knappe ist im vergangenen Jahr nach einem kurzen und schweren Krankheitsverlauf leider verstorben.

Neue Geschäftsführung besteht Härtetest

Die Aufgaben der Geschäftsführung übernahm Oberst Manfred Jäger. Der Unterabteilungsleiter im Kommando Luftwaffe musste in Nebenfunktion die von Rüdiger Knappe hinterlassene Lücke schließen und die Herausforderungen der Pandemie bewerkstelligen. Insbesondere ihm und seinem Team dankte Präsident Kreuzinger-Janik besonders.

Oberst Manfred Jäger (rechts) hat die Geschäftsführung vom verstorbenen Oberst Rüdiger Knappe übernommen. In Nebenfunktion musste er mit seinem Team die Herausforderungen der Pandemie meistern. (Foto: Luftwaffe/Jane Schmidt)

Und so übernahm auch Oberst Jäger das Wort und stellte den Zuhörern den Jahresabschlussbericht vor. Die Tagesordnung wurde abgearbeitet und Vorstand, Rechnungsprüfer sowie Geschäftsführer durch die Mitglieder einstimmig entlastet – selbstredend enthielten sich die entlasteten Personen.

Alle Gremien des Vereins wurden entlastet und Generalleutnant Klaus Habersetzer einstimmig in das Präsidium gewählt (Foto: Luftwaffe/Jane Schmidt)

Ebenfalls stimmten alle anwesenden Mitglieder für die Wahl von Generalleutnant Klaus Habersetzer ins Präsidium. Zukünftig wird der Kommandeur des Zentrums Luftoperationen dieses Organ der IDLw verstärken.

Satzungsänderung zu 100 Prozent angenommen

Im Anschluss übernahm erneut Generalleutnant a.D. Kreuzinger-Janik. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung stand an: Die Änderung der Satzung.

Die Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe setzt ein Zeichen gegen Rassismus, Extremismus und Fremdenfeindlichkeit. Mit der Satzungsänderung hat der Vorstand mit einfacher Mehrheit die Möglichkeit, nach dem Ehren- und Verhaltenskodex nicht willkommene Personen aus dem Verein auszuschließen. Die dafür notwendige Dreiviertel-Mehrheit wurde leicht erreicht, denn alle anwesenden Mitglieder stimmten der Änderung zu.

Inspekteur berichtet in Aktueller Stunde

Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe, informiert die Mitglieder in seiner Aktuellen Stunde über den Zustand seiner Luftwaffe (Foto: Luftwaffe/Jane Schmidt)

Nachdem der Präsident die Jahresmitgliederversammlung beendet und die Teilnehmer sich in der 20-minütigen Pause mit frischen Getränken versorgt haben, informierte Generalleutnant Ingo Gerhartz in seiner jährlichen Aktuellen Stunde über den Zustand seiner Luftwaffe.

Der Inspekteur berichtete über die prägendsten Ereignisse seit Beginn der Pandemie und gab einen präzisen Ausblick für die nahe Zukunft. Gleich zu Beginn seiner gut einstündigen Rede dankte Gerhartz Präsident Kreuzinger-Janik für die Kooperation und Unterstützung in all den letzten Jahren. Insbesondere als im Sommer dieses Jahr rund 65 israelische Offiziere zu Gast waren, unterstützte die IDLw mit der Einladung zu einem gemeinsamen Ice-Breaker in die Landesvertretung Nordrhein-Westfalen.

Mit der Überleitung zur aktuellen Situation der Luftwaffe unterstrich der Inspekteur eine Botschaft besonders: Es ist von größter Bedeutung, den Wert von Luftstreitkräften zu vermitteln.

Speziell, wenn es darum gehe, große Distanzen schnell zu überwinden, komme man an der Luftwaffe nicht vorbei. Als im Februar über 120 deutsche Staatsbürger aus dem chinesischen Wuhan evakuiert wurden, war die Luftwaffe mit ihrem A310 zur Stelle. Aber auch medizinische Lufttransporte sowie Hilfslieferungen zählten zu den Aufgaben der letzten rund 20 Monate. „Ich möchte überhaupt nicht den Wert anderer Teilstreitkräfte absprechen. Wir brauchen alle. Aber solche Dinge können unter diesen Umständen eben nur wir“, erklärte Gerhartz im Hinblick auf die kürzlich beendete Evakuierungsmission aus Afghanistan.

Bei der Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte zeigte die Luftwaffe mit ihrem A400M, schnell und auf große Entfernung handlungsfähig zu sein. (Foto: Luftwaffe/Jane Schmidt)

Dabei hob er besonders das Engagement seiner fliegenden Besatzungen heraus. Für die größte Evakuierungsoperation in der Geschichte der Bundeswehr wurde „fast das sämtliche Regelwerk außer Kraft gesetzt“. Aber der Inspekteur der Luftwaffe erklärte auch, dass es am Ende die Frauen und Männer vor Ort waren, die entschieden. „Wir haben in der Führung zwar zusammen die Rahmenbedingungen geschaffen, aber am Ende hat der Kommandant im Cockpit – der Hauptmann – entschieden“, sagte der Generalleutnant und erinnerte an die Landung der ersten A400M-Maschine in Kabul, als sich bei Dunkelheit Personen auf der Landebahn befanden.

Die Luftwaffe unterstützte mehrfach in den letzten zwei Jahren im Rahmen der Corona-Hilfe. Hier ein A400M, der mit Hilfsgütern für Indien beladen wird. (Foto: Luftwaffe/Christian Timmig)

Im positiven Sinne fassungslos machte den Chef der Luftwaffe das unglaubliche Engagement seiner Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der Corona-Hilfeleistungen. Drei Wochen lang begleitete er seine Frauen und Männer aller Dienstgradgruppen während ihres Einsatzes in Impfzentren, Pflegeheimen, Gesundheitsämtern und anderen Einrichtungen. „Was die Frauen und Männer hier geleistet haben, war unglaublich. Hierfür hat keiner von uns unterschrieben – gemacht haben wir es trotzdem!“, zeigte sich Generalleutnant Gerhartz sichtlich stolz in seinem Fazit.

Die Einsatzbereitschaft des Eurofighters hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. (Foto: Luftwaffe/ Stefan Petersen)

Aber auch im allgemeinen Dienstbetrieb hat sich in der jüngeren Vergangenheit eine Menge getan. Bei der Einsatzbereitschaft des Eurofighters spricht Gerhartz von einem „Fabelwert für Kampfflugzeuge“, der auch dazu geführt hat, dass die Unzufriedenheit der fliegenden Besatzungen reduziert und weitere Kündigungen verhindert werden konnten.

Der A400M sei seit seinem Einsatz in Jordanien im Grunde mit allen benötigten Fähigkeiten ausgestattet. Darunter zählen neben dem Absetzen von Lasten die Verbindung mit Link-16, die Nachtsichtfähigkeit und der ballistische Schutz. Gerhartz machte aber auch klar, dass die Einsatzbereitschaft hier noch deutlich verbessert werden müsse, wofür auch die Industrie eine Verantwortung trage.

Besonders nachdrücklich betonte der Inspekteur die Notwendigkeit von modernen Führungsmitteln, die es ermöglichen, alle Waffensysteme und Verbände zu vernetzen. Hier sehe er eine der größten Herausforderungen. „Am Ende bringen uns alle Erfolge nichts, wenn wir es nicht schaffen, unsere Plattformen zu verbinden. Dafür brauchen wir bessere Führungsfähigkeiten.“

Zum Ende seiner „Tour d’Horizon“ blickte Generalleutnant Ingo Gerhartz in die Zukunft. Im Oktober dieses Jahres gibt es ein Wiedersehen mit der mittlerweile gut befreundeten Luftwaffe in Israel zur Übung Blue Flag. In 2022 steht die Mammut-Verlegung in den indopazifischen Raum an.

Im Anschluss zur Aktuellen Stunde des Inspekteurs nutzten die Mitglieder den Ausklang der Veranstaltung für Gespräche (Foto: Luftwaffe/Jane Schmidt)

Mit diesem spannenden Rück- und Ausblick endete die erste Präsenzveranstaltung der IDLw seit Beginn der Pandemie. Die zahlreichen Teilnehmer nutzten den anschließenden Beer-Call für interessante Gespräche über das Thema, was sie alle eint – die Liebe zur Luftwaffe.

Stephan Jeglinski

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