80 Kilometer nordöstlich von Frankfurt/Oder befindet sich der polnische Truppenübungsplatz Wedrzyn. Hier ist der multinationale Einsatzverband mit deutschen, polnischen und niederländischen Flugabwehrkräften in Stellung gegangen. Während der Übung Tobruq Legacy will der Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1, Oberst Andreas Noeske, auch abgelegene Stellungen besuchen.

 

 Niederländische Systeme Patriot. (Quelle: Luftwaffe/Arthur Fontani)

 

Dem 49-jährigen Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1 aus Husum sind hierzu drei Flugabwehrgruppen mit den Raketensystemen SA 3, SA 6, SA 8, Flugabwehrkanonen-Kräfte (AntiAircraftArtillery, AAA) der polnischen Streitkräfte und deutsche und niederländische Patriot-Systeme jeweils in Gruppenstärke unterstellt. Geführt wird aus dem Flugabwehrgefechtsstand, dem Surface to Air Missile Operations Centre (SAMOC).

Taktisch wird der Verband aus dem CRC (Control and Reporting Centre), dem Luftverteidigungsgefechtsstand bei Bydgoszcz und, erstmals im Rahmen einer Erprobung, auch aus einer fliegenden Kommandozentrale, der AWACS, geführt. Diese weisen dem SAMOC Flugziele zu, die dann sekundenschnell als Abfangauftrag einem ausgewählten Waffensystem zugewiesen werden. „Diese Mischung der Wirkmittel“, so Noeske, „erlaubt es uns, lageangepasst, das geeignete System zur Bekämpfung der Ziele auszuwählen.“

 

 Oberst Noeske im Gespräch mit seinem Gruppenkommandeur, Oberstleutnant Tanski. (Quelle: Luftwaffe/Arthur Fontani)

 

Angepasst an den Auftrag

Der Einsatz der multinationalen Flugabwehrsysteme und Zielerfassungssysteme wurde nach deren Systemspezifikationen durch das SAMOC geplant und dann im Einsatzraum in Stellung gebracht. Entscheidend ist hierbei die vollständige Abdeckung der Flugabwehrzone, der so genannten Missile Engagement Zone (MEZ). So können Flugziele, egal welcher Art, in einer Entfernung von bis zu 70 Kilometer bekämpft werden.

Deutsches System Patriot im Einsatzraum. (Quelle: Luftwaffe/Arthur Fontani)

Zwischen den jeweiligen Einsatzgruppen und dem Führungsgefechtsstand befinden sich die Richtfunktrupps, die den Geländespezifikationen angepasst, eine lückenlose Anbindung über gesicherte Fernmeldeverbindungen herstellen.

 Deutsches Zielerfassungsradar Patriot. (Quelle: Luftwaffe/Arthur Fontani)

Die Herausforderungen und Ziele

Die Mischung aus extrem heißem Wetter, verbunden mit Unwettern, Regen und wieder feuchter Hitze, zerren an Menschen und Material. Dazu kommt das schwere Gelände. Untergebracht ist die Truppe in Feldlagern und Zelten. „Mir ist es wichtig“, so Oberstleutnant Thorsten Tanski, Kommandeur der Flugabwehrraketengruppe 26 aus Husum, „im Rahmen meiner Dienstaufsicht, auch kleine und entlegene Kräfte aus meinem unterstellten Bereich regelmäßig zu besuchen.“ Er verweist auf eine besondere Truppe, den Richtfunktrupp, der zwei Wochen weitgehend auf sich gestellt, hier auf einer Anhöhe die Führungsunterstützung sicherstellt.

Oberstleutnant Tanski im Gespräch mit seinen Soldaten. (Quelle: Luftwaffe/Arthur Fontani)

„Ein Gewinn an Erfahrung im multinationalen Umfeld ist Tobruq Legacy 19 für alle Beteiligten“, so Oberstleutnant Tanski und hebt hervor: „Die Zusammenarbeit im taktischen, logistischen und vor allen im zwischenmenschlichen Bereich ist bei Übungen dieser Art besonders wertvoll.“

Autor: Arthur Fontani

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