Völlig abgehoben – Lufttransportbegleiter der Luftwaffe

Wer einmal Kaffee in Bogotá getrunken hat, der wird seine Meinung über einen guten Kaffee ändern. Dieses Geschmackserlebnis in der Hauptstadt Kolumbiens ist eines der schönsten Mitbringsel für Evgenij Blakitskij. Seit sieben Jahren ist er Lufttransportbegleiter bei der Luftwaffe und hat fast alle Ecken der Welt gesehen. Bei der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung hat er seinen Traumberuf gefunden.

Stabsunteroffizier Evgenij Blatikskij ist 35 Jahre alt und seit 2011 Lufttransportbegleiter (Quelle: Luftwaffe/Sven Pohl)

Frisch ist es an diesem Morgen in Köln, das Thermometer zeigt 3 Grad plus. In der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung (FlBschft BMVg) herrscht bereits um 5.30 Uhr reges Treiben. Unter den Lichtern des Flughafens steht der A340. In wenigen Stunden werden Einsatzsoldaten bei plus 35 Grad in Mali die Maschine verlassen, die Einsatzrückkehrer werden weitere sechs Stunden später wieder in Köln und bei 30 Grad weniger landen. Immer mit an Bord: die Lufttransportbegleiter der Flugbereitschaft.

Der A340 wird am frühen Morgen mit allem Nötigen beladen. (Quelle: Luftwaffe/Stefan Ink)

Mit Jetlag zum Elternabend

Stabsunteroffizier Evgenij Blakitskij, genannt Eugene, wurde bei der FlBschft BMVg auf den Flugzeugmodellen A310, A340 und A319 ausgebildet, machte die vorgesehenen Trainings bei der Lufthansa und absolviert jährlich schriftliche und praktische Tests. Eugene ist Vater eines kleinen Sohnes, an seinen freien Tagen versucht er so viel Zeit wie möglich mit dem Erstklässler zu verbringen. An den anderen Tagen ist „Papa über den Wolken“, für seinen Sohn ein Umstand, den er von Beginn an kennt. „Es ist sicher kein klassischer Familien-Alltag, dafür aber nicht weniger schlecht“, findet Eugene. Es steckt halt ein wenig mehr Organisation als bei anderen dahinter.

Die Bordküche wird stets sauber gehalten, um Chaos zu vermeiden. (Quelle: Luftwaffe/Sven Pohl)

Zwischenstopp mit Folgen

Sonja Berger ist 27 Jahre alt und gehört ebenfalls seit 2011 der Lufttransportstaffel an. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein unfreiwilliger Zwischenstopp in Usbekistan. Die Landung in Termez war aufgrund der Wetterbedingungen nicht möglich, ein Schneesturm zwang die Crew zur Landung in Urgantsch, das ebenfalls zu Usbekistan gehört. Allerdings hatten weder Crew noch Passagiere ein Visum für Usbekistan, die ersten Stunden verließ keiner den Flieger. Nach drei Stunden durften zumindest die für den Einsatz in Afghanistan vorgesehenen Soldaten das Flugzeug verlassen, sie wurden in einem leer stehenden Shelter untergebracht.

Tomatensaft gibt es auch bei der Luftwaffe… (Quelle: Luftwaffe/Sven Pohl)

Wohnen auf Zeit im A310

Die Crew allerdings blieb an Bord. Doch auch über die deutsche Botschaft ließ sich keine schnelle Lösung erreichen. Insgesamt verbrachte die Crew zwei volle Tage im A310 auf dem Flugfeld, legte sich zum Schlafen in die Gänge, teilte sich die restlichen Getränke aus der Bordküche. Immerhin erhielten sie zweimal am Tag etwas zu essen. Dann endlich konnten sie die Heimreise antreten. Zwar ist die Crew mehrmals im Monat für einige Tage zusammen unterwegs, aber solche Ereignisse schweißen noch mehr zusammen.

… allerdings ist Kaffee das meist getrunkene Getränk. (Quelle: Luftwaffe/Sven Pohl)

Die größte Herausforderung im Job? Für die Lufttransportbegleiter schwer festzumachen. Das hohe Maß an Flexibilität muss man von Beginn an mitbringen. „Eine Einladung zum Geburtstag kann ich leider erst ein paar Tage vor dem Event zu- oder absagen, da ich im Voraus selten weiß, in welchem Teil der Welt ich mich dann aufhalte“, meint Berger. Auch an schlechten Tagen sind Freundlichkeit und guter Service unerlässlich. Und dennoch sind sich alle LTBs einig; sie haben ihren Traumjob bei der Luftwaffe gefunden und würden nichts Anderes machen wollen.
Autor:Jennifer Ceranski

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