„Wer arbeitet kann nicht führen!“, leitete Oberleutnant Thomas Heinl, der Projektoffizier und Zugführer der Luftwaffensicherungstruppe den Workshop ein. Die zweitägige Schulung beinhaltete die Grundsätze des militärischen Führens und den Schwerpunkt „Führen unter Unsicherheit/Risiko“.

 

Auch der Projektoffizier stellte seine Führungskraft unter Beweis. (Quelle:Luftwaffe/Julian Lorenz)

 

13 Zivilisten und drei Soldaten waren zusammen mit den Lehrgangsleitern, Fregattenkapitän Ralf Schrödinger und Michael Schmidt, zum Luftwaffenausbildungsbataillon nach Germersheim gekommen. Sie lernten den militärischen Führungsprozess kennen.

 

Die militärische Führung in der Theorie

Begonnen wurde der Workshop mit den Grundlagen der militärischen Führung. Jeder Soldat kennt das Befehlsschema, den militärischen Führungsprozess und Grundlagen der Stabsarbeit wie den LVU (Lagevortrag zur Unterrichtung) oder auch LVE (Lagevortrag zur Entscheidungsfindung). Solche Mechanismen und festgeschriebenen Prozesse ermöglichen es effizient und auch unter schwierigen Bedingungen strukturiert zu führen, wie Heinl erläuterte.
Um den Führungsprozess für alle Teilnehmer greifbar zu machen, wurde er mit seinen insgesamt fünf Phasen anhand der Planung eines Kindergeburtstags erklärt: „Ich kann mit ihnen jetzt auch den großen vaterländischen Krieg planen, aber das würde vermutlich etwas abstrakt auf Sie wirken“, rechtfertigte sich der Projektoffizier. Zusammen erarbeiteten die Teilnehmer des Workshops die einzelnen Phasen des Führungsprozesses: Lagefeststellung, Entscheidungsfindung, Planung, Befehlsgebung und Kontrolle. Auch das Befehlsschema hilft den militärischen Führern jeden benötigten Schritt zu bedenken und gibt somit Sicherheit für vorgesetzte und unterstellte Soldaten. Denn „jeder Einzelne weiß, bei welchem Punkt ich gerade bin und was ich von ihm erwarte“, bekräftigte Heinl.

 

Gruppendynamische Prozesse

Die Theorie sollte jedoch nicht der Schwerpunkt des Workshops sein. Deshalb ging es direkt nach der Einkleidung auf die sogenannte „LeTra-Bahn“ (Lehr- und Trainingsbahn). Dieser Parkour, der nur in Zusammenarbeit der Gruppe zu bewältigen ist, sieht Anfangs nach dem bekannten Spiel „der Boden ist Lava“ aus, und ist diesem auch sehr ähnlich.

Nachdem sich die Gruppe organisiert hatte, stellte die LeTra-Bahn kein Hindernis für die Gruppe dar.(Quelle:Luftwaffe/Julian Lorenz)

Der Hintergrund dieser Bahn ist es, einen gruppendynamischen Prozess anzustoßen, in dem sich selbstständig ein Führer innerhalb der Gruppe herausbildet. Während der eigentlichen Übung bemerkten die Teilnehmer noch gar nichts davon. Jedoch bemerkten die Teilnehmer in der Reflektion hinterher auf was es ankommt, um als Führungsperson von der Gruppe ausgewählt und akzeptiert zu werden.

 

Druck, Drall und Geschwindigkeit

Weiterhin wurde den Lehrgangsteilnehmern das sanitätsdienstliche Material nähergebracht, gezeigt und als Vorbereitung auf den nächsten Tag erläutert. Morgens, 8.15 Uhr am Sandkasten zur Befehlsausgabe angetreten, gab Heinl einen Befehl und die Lehrgangsteilnehmer mussten auf die Gefechtsfahrzeuge „aufsitzen“.

Die Befehlsausgabe war eine ganz neue Erfahrung für die Meisten. (Quelle:Luftwaffe/Julian Lorenz)

Wenig später wurde klar, was los ist: Ein Gebäude wurde von mehreren Mörsergranaten getroffen und die Verletzten mussten unter Deckung einer Infanteriegruppe gerettet und versorgt werden. Oberfeldwebel Daniel Pamp übernahm als Teil der Sanitätseinsatzstaffel Idar-Oberstein und ließ die Teilnehmer innerhalb vorher festgelegter Gruppen agieren, dabei sprach er nur die Gruppenführer an. Blut, Stress, Rauch und Schreie der Verletzten prasselten auf die Workshop-Teilnehmer ein, doch sie schlugen sich gut, sogar sehr gut, wie es in der Nachbesprechung von allen Seiten betont wurde.

 

Die Situation verlangte den Teilnehmern alles ab, doch es funktionierte gut. (Quelle:Luftwaffe/Julian Lorenz)

Sichtlich erfreut reisten die Teilnehmer wenig später ab und konnten sich so einen Eindruck des militärischen Führens machen. Prof. Dr. Schmidt bekräftigt nochmals: „Ich bin mir sicher, dass der zivile Sektor mehr vom Militär lernen kann als andersherum.“

 

Hauptfeldwebel Sven Würtemberger veranschaulichte, was der Soldat an Material bei sich trägt. (Quelle:Luftwaffe/Julian Lorenz)

 

Autor: Julian Lorenz

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