Der „grau-rote Baron“ fliegt über Wittmund

Das Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ ehrt gleich zwei historische Personen, die den Verband prägten. Zur Ernennung zum Geschwader wurde ein Eurofighter mit einer Sonderfolierung versehen. Sein Entwurf mit den vielen Richthofen-„R“ ist aber nicht die erste gelungene Umsetzung von Hauptfeldwebel Stefan „Harry“ Thrun.

 

Stefan „Harry“ Thrun wohnt in Jever und hat von seinem Garten aus gute Sicht auf die Einflugschneise nach Wittmund. „Wenn der Eurofighter, den du selber entworfen hast, im Landeanflug ist und du siehst den, dann ist das einfach eine tolle Sache. Da geht nichts drüber“, sagt der Luftfahrzeugmechaniker vom Taktischen Luftwaffengeschwader 71. Er gewann mit seinem anthrazit-roten Entwurf mit den markanten „R“ ein Ausschreiben im Verband. Das Flugzeug, das im normalen Betrieb fliegt, ist so schon von weitem erkennbar.

Auf der anderen Seite des Jets sind die Farben vertauscht: Das große „R“ leuchtet wie auf dem Verbandswappen in rot. (Quelle: Luftwaffe/Daniel Redell)

 

Folierung spielt auf Historie des Geschwaders an

Die Folierung ist gleich zwei Personen gewidmet. Einer von beiden ist der erste Kommodore des Geschwaders, Oberstleutnant Erich „Bubi“ Hartmann. An den vorderen Flügeln, den sogenannten Canards, sind grau-schwarze Zacken, die mit einer weißen Linie voneinander getrennt sind. Das Muster ist auch als Hartmann-Tulpe bekannt. Es befand sich während Hartmanns aktiver Zeit als Pilot am Bug seiner Flugzeuge. Auf dem Seitenleitwerk des Jets mit der Kennung 30+90 prangen nun rote und schwarze „R“ – symbolisch für Manfred von Richthofen, den berühmten Jagflieger des ersten Weltkrieges. Dessen Name trägt das Geschwader traditionell seit über einem halben Jahrhundert. Daher ziert auf dem Seitenleitwerk Richthofens Unterschrift den Eurofighter.

 

Die schwarzen Zacken auf grauem Grund sind als „Hartmann-Tulpe“ bekannt. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)

„Da geht nichts drüber“

Für den gebürtigen Bad Driburger ist aber eine nicht ganz so neue Erfahrung. Denn er entwarf bereits zum 50. Geschwaderjubiläum 2009, zum doppelten Phantom-Jubiläum 2008 und anderen Anlässen Lackierungen für Flugzeuge. Mit der Lackierung von 2008 feierte der Verband den Erstflug des Prototyps der Phantom 1958 und den Erstflug der ersten deutschen Phantom 1973. Damals hatte Thrun seine Entwürfe noch selbst auf die Flugzeuge lackiert. Da der Eurofighter im Gegensatz zur Phantom aber nicht aus Aluminium besteht, wurde dieses Mal eine Folie aufgetragen. Das ist aber nicht die erste Verschönerung eines Jets durch „Harry“ Thrun. Schon im Kindesalter begeisterte er sich für die Luftfahrt. Er baute Modelle echter Flugzeugtypen nach und bemalte sie anschließend. „Mein erstes Modellflugzeug war eine englische Phantom“, so „Harry“ und führt fort, dass er an diesem Flugzeug auch als Mechaniker arbeitete. Für diesen Flugzeugtyp entwarf Thrun auch seine erste Sonderlackierung. Seine Vorgesetzten wurden damals auf sein Hobby aufmerksam und baten ihn um einen Entwurf. Der gefiel und Thrun lackierte sogar selbst das Flugzeug.

 

„Harry“ Thrun prüft die Folierung und stellt sicher, dass keine Luftbläschen eingeschlossen sind. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)

„Ich mache das für das Geschwader“

Für die Ernennung zum Geschwader forderte der damalige Kommandeur, Gero Finke, einen Eurofighter für dieses Ereignis mit einer Folierung zu verschönern. Dafür nahmen die Soldatinnen und Soldaten des Verbandes an einem Ideenwettbewerb teil. Den gewann Hauptfeldwebel Stefan „Harry“ Thrun. Er erarbeitete seinen Entwurf mit seinem Computer zu Hause. Die dazu nötigen Kenntnisse, hat er sich selbst angeeignet. Über zwei Wochen lang arbeitete der Luftfahrzeugmechaniker abends in seiner Freizeit an seinem Entwurf. Zwar gibt es dafür keine Belohnung, aber das mache ihm nichts aus, so Thrun. „Ich mache das nicht für mich, sondern für das Geschwader“, führt er weiter aus und fügt hinzu: „Wenn die Leute sagen, der Eurofighter sieht gut aus, dann ist das schön.“ Das in Wittmund stationierte Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ wuchs im Juli von einer Gruppe zum Geschwader auf. Darauf sind die Soldatinnen und Soldaten stolz. Das drücken sie mit einer Sonderfolierung an einem Eurofighter aus. Am Standort wurde die Verschönerung positiv aufgenommen: „Der Eurofighter sieht toll aus und gefällt uns. Wir sind stolz“, so Oberstleutnant Gerd Estendorfer. Er ist der stellvertretende Kommodore im Geschwader.

 

Seine Idee visualisierte „Harry“ Thrun mit einer Software am Heimcomputer. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)

Besonderer Jet – Gleiche Aufgaben

Der Umgang mit dem Jet mit der besonderen Folierung habe sich im Verband aber nicht geändert, so Oberstleutnant Estendorfer. Wie jeder andere Eurofighter auch, muss die sonderfolierte Maschine regelmäßig gewartet werden. Werden dabei keine Mängel festgestellt, kommt das Flugzeug auf die „Line“, also auf den Flugplan, und wird so im normalen Flugbetrieb geflogen. In Wittmund sind das meist Abfangaufträge, denn die „Richthofener“ sind Teil der NATO-Luftverteidigung über Deutschland. Als erster Wart übergibt „Harry“ Thrun das Flugzeug den Piloten und überprüft kurz davor auf eventuelle Fehler. In Zukunft sollen auch die jungen Piloten der Luftwaffe beim Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ ausgebildet werden – vielleicht sogar mit dem Jet mit der „Thrun´schen“ Folierung, denn die soll bis mindestens Mitte 2017 bestehen bleiben.

Als Teil der Alarmrotte steigt der Eurofighter von Wittmundhafen, dem Flugplatz bei Wittmund, auf. (Quelle: Luftwaffe/Daniel Redell)

 

Autor: Martin Tennhardt/Luftwaffe.de

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