Halbzeit für die bayerischen Eurofighter in Ämari

Noch bis Anfang Januar sorgt das Taktische Luftwaffengeschwader 74 für die Sicherheit im baltischen Luftraum. Mit ihren Eurofightern sichern die Neuburger die nordöstliche Flanke des NATO-Bündnisgebietes. Sie stellen den größten Teil des Kontingentes in Estland: Die 130 Soldaten und bis zu sechs Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus Neuburg an der Donau. Insgesamt sind 200 Frauen und Männer seit Ende August in Ämari stationiert. Das bayerische Eurofighter-Geschwader sichert den baltischen Luftraum gemeinsam mit der französischen Luftwaffe, die mit vier Jets vom Typ Mirage im litauischen Siauliai die zweite Alarmrotte stellt.

 

Im Kurvenflug kann das Neunfache des Körpergewichts auf dem Piloten lasten. (Quelle: Luftwaffe/Marcel Wenk)

Während die Alarmrotte in Deutschland überwiegend wegen fehlender Kommunikation zwischen Linienflugzeugen und Bodenstationen aufsteigt, ist es in Estland etwas anders. Neben dem Funkkontakt müssen Flugzeuge aller Art, die im internationalen Luftraum fliegen, einen Flugplan aufgeben und ein Transpondersignal senden. Mit diesem Signal gibt sich ein Flugzeug der zivilen Flugsicherung zu erkennen. Passiert das nicht, wird die QRA, also die „Quick Reaction Alert“, alamiert.

 

Gleich am ersten Tag der erste Einsatz

Direkt am ersten Tag, nachdem die Verantwortung über den baltischen Staaten und dem angrenzenden internationalen Luftraum übernommen wurde, gab es einen Einsatz. Eine russische Tupolew 134 musste identifiziert werden, weil sie eines der Kriterien nicht erfüllte. Bei einem Großteil der Einsätze handelt es sich um russische Militärmaschinen im internationalen Luftraum, die ohne aktiven Transponder unterwegs sind. Diese Flugbewegungen gibt es meistens zwischen dem russischen „Mutterland“ und der Enklave Kaliningrad zwischen Polen und Litauen. Auf diesem Weg kreuzen die Flugzeuge zum Beispiel die Luftverkehrswege zwischen Helsinki und Tallinn. Zivile Bodenstationen sind oft nicht in der Lage, Flugzeuge ohne Transpondersignal zu orten, da sie zumeist nicht über sogenannte Primärradare verfügen und somit auf die Kooperation des entsprechenden Flugzeugs angewiesen sind. Militärische Radarsysteme hingegen können alles „sehen“, was sich in der Luft befindet und ein Radarecho zurückwirft. Je nachdem wie weit der „Radarkontakt“ entfernt ist, schaffen es die Neuburger Jets in wenigen Minuten zum Ziel. Da die Eurofighter nun das Flugzeug eskortieren, weiß auch die zivile Flugsicherung aufgrund des aktiven Transpondersignals der Eurofighter, wo es sich befindet. Wenn keine Gefahr mehr für die internationale Luftfahrt besteht oder Alarmrotten anderer Nationen die weitere Begleitung übernehmen, geht es für die Deutschen wieder zurück nach Ämari. Nach der Landung bereiten sich die Crews und Bodenpersonal auf den nächsten Alarm vor.

 

An der schmalsten Stelle ist der internationale Luftraum weniger als fünf Kilometer breit. (Quelle: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie/Archiv)

Beförderung vor der Abreise

Ein Großteil des Kontingents ist bereits wieder zu Hause in Deutschland. In einer kurzen Abschiedszeremonie hatte sich der scheidende Kontingentführer, Oberstleutnant Swen Jacob, bei „seinem“ Kontingent bedankt. Dann ging es auch für ihn zurück in die Heimat. Neben den deutschen Einsatz-Medaillen gab es noch einen ganz besonderen Moment. Feldwebel Stephan Stölzle wurde vor der angetretenen Truppe befördert. „Während andere Kameraden bereits das zweite Mal in Estland sind, war es für mich der erste Einsatz dieser Art. Meine Beförderung zum Oberfeldwebel im Shelter der QRA werde ich nicht so schnell vergessen“, sagte Stölzle. In Neuburg macht er im Moment eine Ausbildung zum Hochfrequenz-Techniker im Bereich „Avionik“. Den neuen Dienstgrad darf er jetzt in Deutschland tragen.

 

In den Sheltern werden die Eurofighter auf die Flüge vorbereitet. (Quelle: Luftwaffe/Marcel Wenk)

Für die „Neuen“ beginnt nun die zweite Hälfte im winterlichen Ämari mit Temperaturen bis zu -40°C. Noch bis Januar werden die Neuburger 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche bereit stehen, um – wenn nötig – für die Sicherheit im Luftraum der baltischen Staaten zu sorgen. Abgelöst werden die Bayern Anfang 2017 von ihren Kameraden des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“ aus Wittmund in Ostfriesland. Ende April wird die Luftwaffe die Aufgabe des Verstärkten Air Policings an die nächste Nation weitergeben.

 

Feldwebel Stephan Stölzle (links) nimmt seine Beförderungsurkunde vom Kontingentführer Oberstleutnant Swen Jacob entgegen. (Quelle: Luftwaffe/Christian Timmig)

Autor: Christian Timmi/Luftwaffe

 

 

X
X