Luftwaffe feiert ihr 60-jähriges Bestehen in Nörvenich

Am 2. Januar 1956 schlug mit dem Einrücken der ersten Freiwilligen auf dem Fliegerhorst Nörvenich die Geburtsstunde der Luftwaffe. Sechs Dekaden später feiert sie ihr 60-jähriges Jubiläum dort, wo alles begann. Abordnungen der gesamten Luftwaffe waren zum Jubiläumsappell vor rund 300 Gästen angetreten.

 

© Luftwaffe/Nurgün Ekmekcibasi
Abschreiten der Front durch General Müllner und General a.D. Eimler.

„Ich freue mich sehr, dass wir das 60-jährige Jubiläum unserer Luftwaffe heute hier beim Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ feiern“, begann der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, seine Ansprache. „Denn gerade Nörvenich symbolisiert den so wichtigen Dreiklang aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Der Fliegerhorst Nörvenich steht mit Ausgabe der Ernennungsurkunden an die ersten Freiwilligen nicht nur für den personellen Beginn der Teilstreitkraft. Auch materiell liegt die Wiege der Luftwaffe in Nörvenich. Denn die am 1. Oktober 1957 dort aufgestellte 1. Staffel ist die älteste Jagdbomber- und Kampfstaffel der Luftwaffe. Heute ist das Nörvenicher Geschwader mit dem mordernsten Kampfflugzeug Europas ausgestattet und für die Zukunft investiert die Bundeswehr kräftig in moderne Infrastruktur am Standort.

© Luftwaffe/Nurgün Ekmekcibasi
General Günter Giesa meldet dem Inspekteur der Luftwaffe.

 

Botschafter des neuen Deutschlands

Der spätere Inspekteur der Luftwaffe und heutige General a.D. Eberhard Eimler gehörte mit zu den ersten Soldaten, die 1956 ihren Dienst in der Luftwaffe begannen. In seiner Ansprache blickte er auf die rasante technologische Entwicklung der Teilstreitkraft zurück und auf den Wandel in der Wahrnehmung der noch jungen deutschen Bundeswehr innerhalb des NATO-Bündnisses, kaum zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. „Wir waren in der Familie der Luftwaffen von Beginn an aufgenommen“, berichtete Eimler. „Und wir erkannten, dass wir auch Botschafter des neuen Deutschlands waren. Wir flogen zusammen und bildeten gemeinsam den Luftverteidigungsgürtel entlang der innerdeutschen Grenze.“ Aus dieser Zeit rühren grenzüberschreitende Freundschaften, die weit über seine Pensionierung erhalten blieben.

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Ein Eurofighter in Sonderlackierung als Erinnerung an Oswald Boelcke.

Wenn wir die Türen öffnen, drängen die Menschen zu uns

Als er 1983 zum Inspekteur der Luftwaffe ernannt wurde, prägten vor allem Großdemonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss und heftige Debatten um den durch Tiefflug erzeugten Lärm die öffentliche Wahrnehmung der Bundeswehr. Aus dieser Perspektive freue sich Eimler zu sehen, „welchen selbstverständlichen Zuspruch unsere Soldatinnen und Soldaten heute erhalten, für das was sie in ihrem Dienst tagtäglich leisten.“ Sitzblockaden tausender Demonstranten seien abgelöst worden von einer Vielzahl von Besuchern bei Tagen der Offenen Tür. „Blockaden auf den Zufahrten unserer Kasernen gehören der Vergangenheit an“, ergänzte Müllner in seiner Ansprache an die Gäste beim anschließenden Empfang. „Wenn wir die Türen öffnen, drängen die Menschen zu uns. Rund 60.000 Besucher besuchten uns allein dieses Jahr beim Tag der Bundeswehr in Hohn und Neuburg.“

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Der Appell fand beim Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ in Nörvenich statt.

Professionalität und Leistungswillen prägen die Luftwaffe

Gut besucht war auch der Appell in Nörvenich, an dem 60 ehemalige Generale der Luftwaffe zusammen mit ihren aktiven Kameraden das 60-jährige Jubiläum ihrer Teilstreitkraft begingen. Am Ende des Appells, wandte sich Müllner direkt an die angetretenen Soldaten: „Hochmotivierte, Frauen und Männer, die mit ihrer Professionalität, ihrem Leistungswillen und ihrem Gemeinschaftsgeist die Luftwaffe seit jeher auszeichnen, prägen unsere Luftwaffe in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Diese Eigenschaften gäben ihm die Gewissheit, auch kommende Herausforderungen zu meistern. „Für diese – für unsere gemeinsame – Zukunft wünsche ich uns und der Luftwaffe alles Gute, sowie Hals- und Beinbruch.“

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Überflug CH-54 und LUH.

Ein besonderer Gruß zum Schluss an die Gäste

Zum krönenden Abschluss spielte das Luftwaffenmusikkorps aus Münster die Nationalhymne. Nach dem Verstummen der Instrumente erklang aus der Ferne das Wummern von Rotoren, die einen Überflug einer Formation Hubschrauber, bestehend aus zwei CH-53 und einem H145M LUH SOF, ankündeten. Darauf folgte mit einem dumpfen Grollen eine Formation aus je zwei Eurofightern und Tornados, sowie der sonore Klang zweier Transalls, gefolgt von einem Tankerflugzeug Airbus A310 MRTT mit je einem Eurofighter und Tornado direkt dahinter. Zu guter Letzt folgte das mordernste Transportflugzeug der Welt, der A400M. Der Überflug dieser Gesamtschau der Luftfahrzeuge der Luftwaffe war der Höhepunkt der Feierlichkeiten. Das Jahr 2016 stand und steht unter dem Motto „60 Jahre“ Luftwaffe. Dazu gibt es hier eine breite Auswahl an Themen, die unsere Luftwaffe über sechs Jahrzehnte ausmacht und beschäftigt.

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Die CH-53 ist der mittlere Transporthubschrauber der Bundeswehr
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Eine Formation aus Eurofighter und Tornado.
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Zwei Transall C-160 im engen Formationsflug.
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Airbus A310 MRTT mit je einen Tornado und Eurofighter kurz vor der Betankung.
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Der A400M ist das modernste Transportflugzeug der Welt.
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Eurofighter in Formation über der Start- und Landebahn des Geschwaders.
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Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Luftwaffen, trugen die Flugzeuge das Logo auf dem Seitenruder.

Autor: Thomas Erken/Luftwaffe

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